Müritz-Nationalpark, größte terrestrische Nationalpark Deutschlands mit dem Weltnaturerbe „Buchenwald bei Serrahn”

Flaches Land, grüne Auen, dunkle Wälder und viel Wasser...

Sie sind an der Müritz in Mecklenburg Vorpommern

Zwischen dem hügeligen Land der Mecklenburgischen- und der Ruppiner Schweiz erstreckt sich eingebettet von Raps-, Korn- und Mohnblumenfeldern die Müritz im Herzen der Mecklenburger Seenlandschaft. Diese Seenlandschaft beginnt vom Westen kommend ab Plau am See, fließt im Osten teils in die Feldberger Seen und erstreck sich südlich in die Kleinseenplatte bis in das Havelgebiet der Brandenburgischen Seenlandschaft. Der Müritz-Nationalpark zählt allein mehr als einhundert Seen mit einer Wasserfläche von über einem Hektar. Norddöstlich des Nationalparks nahe dem Schliemann-Museum in Ankershagen befindet sich die Havelquelle, sie geht über in das Brandenburgische Seengebiet, durchquert Berlin und Potsdam.

Der Müritz-Nationalpark ist eines der größten Naturschutzgebiete und liegt östlich der Müritz. Mit seinen 322 km² gilt er als größter Binnenpark in Deutschland. Über zwei Drittel des Parks sind mit Wald oder sogenannten Bruchwäldern bedeckt. Ein Drittel des Parks teilen sich Seen, Fließgewässer, Moore, Acker- und Weideland. Durch seine dünne Besiedelung ist hier die Natur noch in ihrem Ursprung erhalten. Dies ist vor allen daran zu sehen, dass viele seltene Pflanzen- und Tierarten hier eine Heimat fanden. Im Waldgebiet des Parks sind eine reichliche Auswahl an Buchen- und Kiefernwäldern anzutreffen, teils noch in Form die an Urwälder erinnern. Auch die Moorlandschaften des Nationalparks sind markant für die urwüchsige Landschaft des Parks. Wie in Serrahn prägten einst Buchenwälder das Landschaftsbild in Mitteleuropa, der alte Buchenwald um Serrahn zählt zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen dieser ursprünglichen Vegetation. Aus dem Wildgatter der Strelitzer Herzöge wurde ein Naturreservat, Kraniche, See- und Fischadler brüten in der wald- und wasserreichen Landschaft, in dem selten gewordenen Lebensraum finden Insekten und Pilze in den naturbelassenen Wäldern reichlich Totholz.

Die Weichselzeit war landschaftsprägend für den Nationalpark. Die Gletscher hinterließen Findlinge, Zungenbecken (Wienpietschsee), Sölle und Toteislöscher. Die Müritz selbst ist nur zu einem kleinen Teil Bestandteil im Nationalpark, der Feisnecksee nahe Waren, Rederangsee, Specker See und Woterfitzsee liegen mitten im Nationalpark. Im Weltnaturerbegebiet „Buchenwald Serrahn” ist der urwüchstigste Teil des Nationalparks, der in den Naturpark „Feldberger Seenlandschaft” ragt, liegen der Große Fürstenseer See, Schweingartensee und der Zwirnsee. Der „Buchenwald Serrahn” gibt tiefe Einblicke auf dem Walderlebnispfad zwischen Zinow und Schweingartensee. In Serrahn erhlten sie Einblicke in die Pflanzenwelt der Moore. Die hügelige Landschaft mit mehreren Erhebungen (Dickenberg, Wurzlberg, Zeltberge, Luchsenberge, Heidberg, Steiner Berg und Serrahner Berge) und der Jagdleidenschaft der Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz sind es zu verdanken, dass dieses Naturerbe lange Zeit forstwirtschaftlich unangetastet blieb.

Der Zauber dieses hügeligen Waldlandes voller Seen und Moore entfaltet sich mit frischem Grün im Frühsommer, leuchtendem Farbspiel im Herbst und kühler Sparsamkeit im Winter. Im Serrahn hat sich ein alter Buchenwald erhalten, der erahnen lässt, wie die Buchenurwälder Deutschlands einst ausgesehen haben. Hier wachsen Tiefland-Buchenwälder auf eiszeitlichen Sanden. Das Gebiet fasziniert dadurch, dass sehr alte, sich zersetzende Buchen einer Vielzahl ungewöhnlicher Pilze und Insekten neuen Raum und Grundlage geben.
Unesco - Weltnaturerbe Buchenwälder

Ab Zinow beginnt der Weg zunächst mit einem Baumbestand von Fichten und im weiteren Verlauf in Eichen übergeht. Auf dem nördlich liegenden Wanderweg kommen sie zum Aussichtspunkt am Großen Serrahnsee, wo See- und Fischadler beobachtet werden können. Über den Moorsteg führt der Weg weiter nach Serrahn, Zentrum des UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder Deutschlands”. „Im Reich der Buchen” erfahren Sie in einer wechselenen Ausstellung Interessantes Bäume, die einst das Landschaftsbild in Mitteleuropa prägten.

Auf Tierbeobachtungsplätzen im Müritz Nationalpark sind viele seltene Tierarten zu sehen. Durch erklärte Führungen ortskundiger Naturfreunde können Sie nicht nur die Brut- und Rastplätze der See- und Fischadler sowie der Kraniche erleben. In der dichten Ufervegetation der Müritz brüten Krick- und Knäkenten, in den feuchtgebieten finden sich Teichrohrsänger und die seltene Rohrdommel. Zur Vogelzugzeit kommen noch Watvögel wie Zwergstrandläufer und Kraniche dazu. Kraniche sind allerdings schon vermehrt im Nationalpark heimisch und bleiben im milden Winter auch schon mal vor Ort.

Zu den Wildarten im Nationalpark zählen Wildschweine, Rot- und Dammhirsch, Rehe, Muffelwild sowie Wildschweine aufs der Gattung „Schwarzwild". Neu dazugekommen ist der Wolf, der nun wieder Teil des Nationalparks ist.

Nach der Schiffbarmachung von Elde und Müritz fiel der Wasserspiegel in dem heutigen Park so stark, dass große Flächen austrockneten und Röhrichte bzw. Bruchwälder entstanden. An den Ufern der Nationalpark-Seen und -sümpfe zieren seltene Pflanzen wie Enzian, Kartäusernelke und an den Wiesen Küchenschelle für den Besucher das Bild. Riede aus seltenen Sauergrasarten wie dem Schneidried sind botanisch bemerkenswert, Orchideen sind auf den Weideflächen weit verbreitet.

Umringt von Naturparken und dem Müritz Nationalpark kann man an der Müritz die Vielfalt von Flora und Fauna erleben. Das Zusammenspiel weiter Felder, Wiesen, Weiden, Bruchwälder und Moore, gepaart mit den Gewässern und den alten Alleen zeigt sich der Charakter der Mecklenburgischen Seenplatte.

Rad-, Wander- und Wasserwanderwege laden zum Nationalparkerlebnis ein. Für eine Tour durch den Nationalpark bietet sich das Fahrrad, die Pferdekutsche bzw. die schon alte und bewährte Art des Wanderns an. Wegen der Größe des Parks sollten Rad und Kutsche vorrangig genutzt werden, allerdings gibt es auch die Kombination aus Schiff und Bus im Rahmen des Gästepasses „Nationalparklinie”. Sie sollten sich, wenn möglich, einem Naturführer anschließen, der die Sehenswürdigkeiten, Brutstätten der Tiere oder die Aussichtstürme im Nationalpark kennt. Das hiesige Nationalparkamt bietet in dem Zusammenhang zahlreiche Veranstaltungen mit Rangern und Landschaftsführern an.

Zu den Toren des Müritz Nationalparks kommen Sie am günstigsten per Schiff östlich der Müritz über den Anleger Bolter Kanal bzw. Hafendorf-Müritz (Rechlin) in den Süd/Westteil des Parks. Im Norden über Waren (Müritz) am Feisnicksee oder im Osten über die wenigen Nationalparkdörfer. Mit dem Regionalexpress (Berlin-Rostock) gelangen Sie auch in den Nationalpark, wenn Sie in Kratzeburg aussteigen. So vermeiden Sie den Trubel der touristichen Plaätze und sind gleich in der Ruhe der Natur angekommen. Sie befinden sich auch gleich im Quellgebiet der Havel mit den Havelquellseen. Im Kratzeburger Flatterhus gibt es eine Ausstellung über Fledermäuse und Informationen zu Wanderungen um den Käbelicksee und zum Schliemann-Museum Ankershagen.

Vom Norden kommend ist Federow ein Ort am Rande des Nationalparks. Von hier starten die meisten Touren in den Müritz-Nationalpark nach einer ersten Rast am Nationalpark-Hotel Kranichrast. Vorbei am Jankersee ist nächster Zielpunkt Schwarzenhof mit einem Beobachtungsturm für Tierfreunde, dem „Specker Horst”. Von hier aus haben Sie einen guten Blick auf die Moorlandschaft mit den langen Dämmen am Rederangsee wo Hirsche ihre Brunftplätze haben. Am Reederangsee rasten im Herbst zu tausenden Kraniche bevor sie gen Süden weiterziehen.

Hinter Schwarzenhof weiter zwischen Mühlen- und Specker See nach Speck erwarten uns am Ortseingang 200jährige Kiefern und im Ort eine über achtundert Jahre alte Sommerlinde. Das Nationalparkdorf bietet zudem eine von Künstlern genutze „Alte Schmiede” und die neugotische Dorfkirche. Richtung Boek am Ortsausgang sehen wir noch einen uralten Eichenbestand auf der Wanderung zum Käflingsbergturm mit Aussichtsplattform. Dieser steht auf dem Käflingsberg, der höchsten Erhebung im Nationalpark vor dem Großen Zillmannsee.

Zurück in Speck geht es links des Pristerbäker Sees weiter zum Ort Boeck, wo ein Zinnminiaturenmuseum mit eigener Gießerei Nationalparkbesucher erwartet. Neben weiteren Sehenswertem können Sie weiter südlich an den Fischteichen der Müritz-Fischer und Aussichtspunkten über Boecker Mühle zur Bolter Mühle fahren. Von hier aus übernehmen Ausflugsschiffe oder das FGS Diana der Weissen Flotte-Müritz die Gäste mit Nationalparkticket zurück nach Waren.

Möchten Sie lieber weiter durch den Nationalpark radeln oder wandern, dann führt Ihnen der Weg geradewegs nach Schwarzenhof zurück, wo dort angekommen ein weiterer Wanderweg am Rederangsee und Ziegenberg vorbei zum Müritzhof führt. Der Müritzhof ist ein Landschaftspflegehof, wo Rinder, Schafe und Shetlandponys weiden, dessen Aufgabe es ist den Landschaftstyp „Hutweide” zu erhalten. Neben dem Müritzhof können Sie hier im Herbst den größten Kranichrastplatz Mecklenburg Vorpommerns erleben, wo die Vögel des Glücks für die Reise gen Süden stärken.

Auf unserem Weg weiter kommen wir näher an die Müritz, an dessen Ufer uns noch einmal ein Aussichtspunkt in den Nationalpark oder über die Müritz bietet. Hier können Sie dann selbst entscheiden, ob Ihr Heimweg weiter am Ufer der Müritz verläuft oder ob Sie den Weg über die Naturschutzlehrstätte bevorzugen. Entscheiden Sie hier ganz nach Ihrer Zeit. Der kürzere Weg zwischen Ufer der Müritz und dem Warnker- bzw. Moorsee führt direkt nach Waren nahe der MareMüritz-Yachthafen Resort & Spa. Bleibt Ihnen noch etwas Zeit, lohnt der Weg nach Ecktannen mit Blick auf Waren. Es führt auch linksseitig ein Weg zur Waldschänke, einem beliebten Ausflugslokal an der Müritz mit Seeblick nach Klink.